Die Bettwurst

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Detlef P.
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Die Bettwurst

Beitrag von Detlef P. »

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BRD, 1971
Regie: Rosa von Praumheim
Darsteller: Luzi Kryn, Dietmar Kracht, Steven Adamczewski

"Die ursprünglich aus Polen stammende Luzi spricht den wesentlich jüngeren Mannheimer Dietmar an der Kieler Uferpromenade an, da ihm unbemerkt Wechselgeld aus der Hosentasche gefallen war. Nach einer netten Plauderei verspricht Luzi, ihm die Stadt zu zeigen.
Die beiden treffen sich danach häufiger und gehen unter anderem zu einem Tanztee. Während sie sich eines Tages in Luzis Wohnung ein Fotoalbum ansehen, gesteht Dietmar ihr seine Liebe, und Luzi erwidert dessen Gefühle. Die beiden leben eine Zeit lang harmonisch zusammen und genießen viele Stunden ungetrübten Glücks. Luzi und Dietmar ahmen bemüht, aber aufrichtig, die Rituale einer kleinbürgerlichen Vorzeige-Ehe nach, so wie es das Paar aus Kitsch- und Liebesfilmen und anheimelnden Werbespots gelernt hat.
Um endlich reinen Tisch zu machen, erzählt Dietmar Luzi von seiner „dunklen Vergangenheit“ unter „leichten Mädchen“ und „schweren Jungs“.
Kurz darauf entführen Dietmars ehemalige Komplizen Luzi, weil er sich weigert, wieder ein krummes Ding mit ihnen zu drehen." (www.wikipedia.de)

Soooooooooooo, damit wir unserem Namen "Underground Film Community" auch mal wieder gerecht werden, stelle ich heute einen Film vor, der es wohl wie kaum ein anderer verdient hat, als Underground bezeichnet zu werden.
Es ist ein Film, den man entweder liebt oder hasst, was wohl auch die IMDb-Bewertung von genau 5,5 erklären sollte.

Die Schauspieler sind absolute Laien, die Dialoge und einzelnen Szenen völlig absurd, die Ausstattung total kitschig und eine richtige "Geschichte" ist im Grunde nicht erkennbar.
Aber aus genau diesen Gründen ist der Film so grandios (oder halt auch nicht, sofern man ihn hasst :winkie: ).
Der Stil ist dabei ganz klar dem Camp-Humor zuzuordnen und folgt den exaltierten Gebärden klassischer, übergroßer Hollywood-Melodramen, die jedoch in starkem Kontrast zur eigentlich spießbürgerlichen Umgebung stehen und genau durch diesen extremen Kontrast seine Faszination entfaltet.

In der Tat ist der Film so absurd, dass man ihn gar nicht wirklich beschreiben kann.
Viele Kommentatoren im Internet haben ihn mit Werken von Helge Schneider verglichen.
Das kommt dem schon recht nah, aber selbst das passt nicht zu 100%.
Er ist wirklich nochmal ein ganz eigenes Ding.

Speziell zwei Stellen stechen für mich übrigens stark hervor.
Einmal die Szene, in der Luzi und Dietmar auf dem Bett liegen und sich minutenlang gegenseitig ihre Liebe gestehen, die wohl auch bei Programmkinoaufführungen vom Publikum oft mitgesprochen wird.
Und zum anderen die Stelle, als Dietmar am Telefon von der Entführungs Luzis erfährt und völlig aus der Fassung gerät.
Das waren die zwei Momente, in denen ich mich kaum noch halten konnte :lach:

Unter'm Strich handelt es sich hier um einen lupenreinen Kultfilm, der das Publikum wohl genau in der Mitte spaltet, wie kaum ein anderer.
Aber da genau das ja das Wesen eines Kultfilms ist, dass gerade nicht die breite Masse, sondern nur ein bestimmer Teil derer auf so einen Kult anspringt würde ich sagen:
Alles richtig gemacht :huld: :respect:


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