Lincoln
Verfasst: Fr 1. Feb 2013, 15:43

USA, 2012
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Daniel Day-Lewis, Sally Field, David Strathairn, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tommy Lee Jones, John Hawkes, Jackie Earle Haley, Bruce McGill
"Steven Spielberg hat daran gedacht, die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs aus Lincolns Perspektive zu erzählen. Ein Vorhaben, das ihm am Ende doch zu groß erschien. Sein Film beschränkt sich auf die letzten Monate im Leben des 16. US-Präsidenten und seinen Kampf für die Abschaffung der Sklaverei. Das Eigentumsrecht auf Sklaven war in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben. 1860 wurde Abraham Lincoln, der die Sklaverei zunächst nicht verbieten, sondern nur beschränken wollte, zum Präsidenten gewählt - was insgesamt elf Bundesstaaten zum Austritt aus der Union veranlasste. Als die konföderierten "Slavenhalterstaaten" US-Militärstützpunkte auf ihrem Gebiet besetzten, kam es zum Bürgerkrieg, der bis zum Sommer 1865 über 650 000 Menschenleben forderte. Die Kriegshandlungen selbst werden nur angedeutet, Spielbergs Schlachtfeld ist das Repräsentantenhaus in Washington, wo sich die progressiven Republikaner mit den damals noch konservativen Demokraten erbitterte Wortgefechte liefern. Sein Fokus richtet sich auf die diplomatischen Winkelzüge und die schmutzigen Tricks, mit denen Lincoln - und schließlich auch sein parteiinterner Rivale, der Abgeordnete Thaddeus Stevens (brillant: Tommy Lee Jones) - versuchen, die Opposition von ihrem Vorhaben zu überzeugen: das Ende der Sklaverei durch einen Zusatzartikel in der Verfassung zu verankern.
Spielberg betreibt keine Heldenverehrung, sein Lincoln ist ein Mensch voller Widersprüche: kühler Machtpolitiker, besorgter Familienvater, begnadeter Geschichtenerzähler. Dem Ringen um politische Mehrheiten kann der Film eine Reihe bewegender Momente abgewinnen. Und doch würde uns all das kaum berühren, wäre da nicht Daniel Day-Lewis, der die historische Lichtgestalt auf magische Weise zum Leben erweckt. Die hagere Statur, das zerfurchte Gesicht, der näselnde Tenor - unser Lincoln-Bild wird auf ewig mit seiner bewegenden Interpretation verbunden bleiben." (www.cinema.de)
So, die 10 Jahre scheinen wieder mal um zu sein.
Spielberg liefert mit diesem Film sein bestes Werk seit... ja, tatsächlich 10 Jahren ab.
Ich habe zwar "Gefährten" und "Tim und Struppi" (noch) nicht gesehen, aber ich bezweifle mal, dass die so gut sind wie sein "Lincoln", den er ja bereits seit etlichen Jahren geplant hat.
Was er hier auf die Leinwand bringt, kann sich wirklich sehen lassen. Der Film hält einfach, was er verspricht. Im Gegensatz zu "München" beispielsweise. Aber das ist ein anderes Thema... .
Was für unglaublich gute Darsteller sich hier alleine zusammengefunden haben und selbst in den kleinsten Nebenrollen glänzen. Einen hervorragenden James Spader habe ich im ersten Moment zum Beispiel gar nicht erkannt.
Sally Field nach so langer Zeit wieder auf die große Leinwand zu holen und sie in so einer Rolle aufgehen zu lassen, hat beinahe etwas von Tarantino, der ja auch gerne vergessene und abgehalfterte Stars reanimiert.
David Strathairn, Tommy Lee Jones, Joseph Gordon-Levitt, absolut über jeden Zweifel erhaben.
Über allem steht natürlich der große Daniel Day-Lewis, der wohl als nächster Oscargewinner bereits feststehen sollte.
Er ist definitiv die sichere Partie in diesem Jahr. Er verkörpert diesen übergroßen Mann mit soviel Würde und so enthusiastisch und gleichzeitig zeigt er nicht den Präsidenten oder gar die Legende, sondern den Menschen Lincoln.
Und das händelt er so selbstsicher, dass man einfach nur staunen kann.
Technisch gesehen ist der Film sowieso hervorragend, aber das war ja noch nie Spielbergs Problem. Einige Kamerabilder stechen wirklich hervor und der Film ist atmosphärisch unheimlich dicht.
Das überraschendste ist jedoch die Tatsache, dass der Film - mal wieder sehr typisch für Spielberg - totale Überlange hat, er jedoch in keiner Sekunde langweilt, obwohl erstens den ganzen Film über nur gelabert wird und zweitens man auch noch weiß wie der Film ausgeht.
Und das ist in meinen Augen wirklich eine Auszeichnung. Durch die unglaublich gut ausgearbeiteten und dargestellten Figuren und die spannenden, interessanten und wahnsinnig wortgewandten Dialoge sprühen die Funken in vielen Szenen von der Leinwand auf das Publikum herunter, sodass man einfach bis zum Ende an den Lippen der Charaktere kleben bleibt.
Wenn man dann direkt nach dem Film hört, dass sein nächstes Projekt (mit einem vorläufigen Hammercast) vorerst auf Grund von Geldproblemen nicht zustande kommt, ist man direkt ein bisschen traurig.
Super gemacht, Steven! Bitte weiter so.
